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(ca. 4 km)

Vom Sportplatz "beim Käppele" führt der Jakobusweg über den "Weißen Weg" ins Fischbachtal nach Loßburg. Im Tal lag einst der Weiler Fischbach, im Grenzbereich der Markungen Loßburg, Lombach, Rodt und Wittendorf. Bei der einstigen Siedlung handelte es sich um einen Streu-Weiler.1 Im Reichenbacher Schenkungsbuch ist der Ort auch Dorf genannt.2 Die erste Erwähnung des Ortes im Jahre 10823 liegt wesentlich weiter zurück als die der oben genannten vier Gemeinden. Somit ist der abgegangene Weiler von besonderer Bedeutung für die Siedlungsgeschichte der Gesamtgemeinde Loßburg. - Vor Mitte Mai des Jahres 1082 schenkte der Edelfreie Bern der Ältere aus "Vischbach" dem heiligen Aurelius, also dem Kloster Hirsau, sein Gütlein im Schwarzwald am Zusammenfluss des Reichenbachs mit der Murg unter der Bedingung, dass dort ein Kloster gebaut werde. Bereits nach drei Jahren war die Klosterkirche errichtet. Am 22. September 1085 weihte der Konstanzer Bischof Gebhard die Kirche zu Ehren des heiligen Papstes Gregor. 4 Im selben Jahr wurde auch der Ostflügel des Klosters aus Stein erbaut.5 Bern von Fischbach war also der Stifter des Grundstückes vom Reichenbacher Kloster und der Urheber für die Errichtung dieser Klosteranlage. Später trat er selbst als Konverse (Laienbruder) in das Kloster ein.6

Fischbach war eine Exklave des Klosters Reichenbach. Dieses hatte bis ins 17. Jahrhundert große Besitzungen hier. 18 Höfe auf den Gemarkungen Lombach, Loßburg, Rodt und Wittendorf gehörten dazu. Das Kloster hatte auch einen eigenen Gerichtsstuhl im Fischbachtal, den "Stählinshof", über den 1463 und 1481 ausführlich berichtet wird.7

Unser Weg führt nun über den Bach, den Abhang hoch, am Schafstall vorbei zur St. Jakobus-Kirche Loßburg (heutiges Bürgerhaus). An der Hauptstraße steht vor dem alten Speicher des Gasthauses zum Ochsen der Gedenkstein für den Jakobusweg Loßburg-Schutterwald, beschrieben von Kurt Klein in: "Der Kinzigtäler Jakobusweg, Wanderführer durch den mittleren Schwarzwald von Loßburg nach Schutterwald", Waldkirch 1994.

Loßburg, 666 m ü.NN, ist 1282 urkundlich zum ersten Mal erwähnt als "Loseburch".8 Die abgegangene Höhenburg und zugleich Wasserburg, gespeist durch einen künstlichen Wassergraben (mittel-hochdeutsch: losi), ist nach dendrologischer Untersuchung zwischen 1252 und 1273 erbaut worden.9 Die Erbauer waren die Herren von Geroldseck (zu Hohengeroldseck). Wasser vom Kinzigursprung wurde in den Burggraben geleitet und über die Wasserscheide zur Glatt und damit dem Neckar zugeleitet. Burg und ehemaliges Städtchen dürften nach dem "losi" benannt worden sein.10

Im Jahre 1409 ist die Jakobskirche zum ersten Mal genannt. Hans von Brandeck übergab zu diesem Zeitpunkt den jährlichen Zins von 27 Heller aus seinem Gut in Schömberg St. Jakob von Loßburg. Dem mittelalterlichen Weltbild entsprechend rechnete er dem Heiligen auf, wieviel er gibt und was er dafür erwartete:

Ich Hanß von Brandeck, der Jüngere, Sohn des seligen Volmar von Brandeck, erkläre mit diesem Brief öffentlich für mich und all meine Erben nach reiflicher Überlegung, bei vollem Verstand und leiblicher Gesundheit, aufrichtig mit Gottes Willen, um meiner Vorfahren und meines eigenen Seelenheiles willen, dass ich mich entschloss, dem lieben Herrn St. Jakob von Loßburg stets jährlich 27 Heller unablöslichen Zins aus meinem Gut, in Schömberg im Sol gelegen, zu verschaffen. Dieses nennt man des Colben Lehen. Derzeit bewirtschaftet es Blirz, welcher jährlich die 27 Heller ewigen Gelds für mich und all meine Erben dem Sankt Jakob von Loßburg übergibt. Die Schaffner und Pfleger des lieben Herrn Sankt Jakob sollen die erwähnten 27 Heller, welche sie künftig erhalten, wie ihre übrigen Güter ohne jegliche anderweitige Verwendung verwalten.

Zur wahren Beurkundung habe ich öffentlich mein eigen Insigel an diesen Brief angehängt, der ausgefertigt wurde am Montag [3. Juni] vor Bonifatiustag [5. Juni] des Jahres 1409 nach Christi Geburt.11

Da 1409 in Loßburg bereits ein Jakobuskirchlein bestand und im späten 13., anfangs 14. Jahrhundert eine städtische Siedlung vorhanden war, dürfte das erste Loßburger Gotteshaus wohl im 14. Jahrhundert erbaut worden sein. Aus dem Jahre 1499 sind ein Tabernakel und zwei Schlusssteine vorhanden, die Mutter Gottes und St. Jakobus.12 Das Marienrelief ist neben der Jakobskirche, dem heutigen Bürgerhaus, am Haus Kirchweg Nr. 8 eingemauert. Der Jakobus-Schlussstein ist in einer Garage vermauert.

Der heutige Kirchenbau geht auf das Jahr 1833 zurück. Der Kirchturm ist noch von der früheren Kirche erhalten.13 1465 wurden Vorbereitungen für die Kaplaneigründung Loßburg getroffen,14 und 1466 wurde die Gründungsurkunde ausgestellt.15 Es handelt sich dabei um eine separate Kurat-Kaplanei, d.h. der Kaplan hatte seelsorgerliche Aufgaben und nicht nur die Verpflichtung zum Lesen der hl. Messe im Sinne eines Pfründestifters. Zuvor versorgte die Pfarrei Oberiflingen den Ort. Patronatsherr der Pfarrkirche Oberiflingen war der Abt vom Kloster Alpirsbach. Somit ist auch 1466 Abt Andreas von Alpirsbach als Patronatsherr von Loßburg genannt und nicht der Geroldsecker Lehnsherr der Herrschaft Loßburg. Im Jahre 1485/86 ist Loßburg nicht mehr als Kaplanei, sondern als selbständige Pfarrei erwähnt.16

1493 erhielt Gangolf von Geroldseck von der Diözesanverwaltung Konstanz die Erlaubnis zur Messfeier in der Burg Loßburg.17 Dies bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt die Burg in Loßburg eine Hauskapelle hatte, aber offensichtlich keinen eigenen Burgkaplan. Da in den Investiturprotokollen kein solcher aufgeführt ist, ist anzunehmen, dass der Pfarrer von Loßburg zuweilen wohl auch in der Burg amtierte.

Am 14. September 1501 verkaufte Gangolf von Geroldseck die Herrschaft Loßburg an das Kloster Alpirsbach.18 Damit wurde der Abt von Alpirsbach - bisher schon Patronatsherr der Kaplanei und Pfarrei - auch für die weltliche Herrschaft Loßburg zuständig.

Mit dem Kloster Alpirsbach wurde auch Loßburg evangelisch. Die Reformation in der Herrschaft Loßburg kann 1538 als abgeschlossen gelten19. 1561 wird Loßburg Filial der Pfarrkirche Lombach.20 Erst 1875 erhielt der Ort wieder seine selbständige evangelische Pfarrei. Die St. Martin-Kirche, das erste katholische Gotteshaus nach der Reformation, weihte Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht 1966 ein. Die Katholiken gehören zur Tabor-Gemeinde Freudenstadt.

Auch die Teilgemeinde Rodt hatte ein St. Jakobus-Kirchlein.21 Über dem spitzbogigen Eingangsportal der Kirche war die Jahreszahl 1520 angebracht.22 Die Kapelle wurde 1931/32 abgerissen. Sie stand in der Freudenstädter Straße zwischen Hausnummer 32 und 36, vor Nummer 34. - Der Ort ist mit genauem Datum 1319 urkundlich erstmals erwähnt.23

Geologisch gesehen liegt Wittendorf und Loßburg im Bereich des "Freudenstädter Grabens", der sich im "Bittelbronner Graben" bis zu dem über 140 km entfernten Bopfingen fortsetzt.24

Weitere Ausführungen zu Wittendorf und Loßburg finden Sie in:

Wittendorfer Heimatbuch, hrsg. von der Ortschaftsverwaltung Wittendorf, Horb 1993

Kirchengeschichte Lombach . Loßburg . Rodt, zusammengestellt von Saile, Hans, in: Loßburger Hefte 1, Loßburg 1995, hrsg. vom Schwarzwaldverein Loßburg-Rodt e.V.

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1 lt. Landesdenkmalamt B.-W., Außenstelle Karlsruhe, TK 7516

2 vgl. LBSt: Cod. hist. 40, nr. 147, fol. 36b und WUB, Bd. 2, S. 417

3 vgl. HStAS: H 14, Bd. 143, fol. 65b/66a (Hirsauer Schenkungsbuch)

4 vgl. ebd. fol. 65b

5 vgl. Hahn, Dorothea, a.a.O., S. 95

6 vgl. Wein Gerhard,Geschichte des Klosters Reichenbach, a.a.O., S. 35

7 vgl. HStAS: A 516, U 117/118 und Bü 27

8 vgl. Stiftsarchiv St. Paul (Kärnten) U 327

9 vgl. Hofmann, a.a.O.

10 vgl. Bach Adolf, a.a.O., Bd. II,1, S. 285

11 HStAS: A 470, U 496

12 vgl. OAB Freudenstadt, S. 264

13 vgl. LKAS: A 29/2645,1 - Nachträge 1827-1835 und 2643,1 Nr. 1 u. 9

14 vgl. HStAS: A 470, U 500

15 vgl. HStAS: H 102/3, Bd. I, fol. 293b und Alpirsbacher Repertorium A 470, Bd. I, S. 212

16 vgl. Registra subsidii charitativi im Bisthum Konstanz aus dem Jahre 1485/86, FDA, Bd. 26, Freiburg 1898, S. 42

17 vgl. Krebs Manfred, Die Investiturprotokolle, a.a.O., S. 510

18 vgl. HStAS: A 470, U 513

19 vgl. Glatz, Karl. J., a.a.O., S. 132-140 und Regesten, S. 380-384

20 vgl. Sigel, Christian, a.a.O., Bd. 5, Teil IV, S. 165

21 vgl. Führer von Loßburg-Rodt und Umgebung, a.a.O., S. 11

22 vgl. OAB Freudenstadt, S. 305

23 vgl. HStAS: A 602, U 8325

24 Näheres siehe in: Wittendorfer Heimatbuch, a.a.O., S. 23f

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