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(ca. 3 km)

Von der Kirche Ihlingen führt der Pilgerweg über den "Eselweg" nach Dettingen oberhalb der heutigen Bundesstraße 14, die 1860 gebaut wurde. Kurz vor Dettingen gelangen wir zum Schafstall mit der einstigen Burg Unterdettingen, welche vormals die alten Heeres- und Handelswege kontrollierte. Ganz in der Nähe, bei der Mündung des Dießenbaches in den Neckar wurden 1890 römische Funde entdeckt (Scherben von terra sigillata und Glas, ein Tonvogel als Kinderspielzeug und der Bronzehahn eines Gefäßes). Dabei handelt es sich vermutlich um Grabbeigaben.1 Eine römische Siedlung, die wiederum auf einen früheren Römerweg schließen lässt, muss im nahen Umfeld zu suchen sein.2 Bei der Neckarhalde wurde 1943 eine römische Hadrians-Münze gefunden.3 Am Weg von der Burg Unterdettingen zur Kirche wurden links der Straße in der Nähe des Steinkreuzes aus dem Jahre 1739 (Muri-Zeit) 12 alamannische Reihengräber gefunden.4 Der ganze Friedhof wird auf 100 bis 150 Gräber geschätzt. Die "Alte Straße" im Ort führt zu einer Furt und zu den historischen Wegen. Dettingen, 399 m ü.NN, gehört wie Ihlingen als -ingen-Ort zur frühen Besiedlungsphase der alamannischen Zeit und ist sicherlich nach dem Personennamen "Tati" oder "Tato" u.dgl. benannt. Namen wie Teto und Tato kommen urkundlich schon im 6. Jahrhundert vor.5 Der Ort hatte vier Burgen. Erstens: die bereits erwähnte Burg Unterdettingen mit zeitweiligem Mannlehen der Herren von Rosenegg (Stammburg bei Rielasingen). Das Kloster Muri richtete wohl dort ein Waisenhaus ein. Später diente dieses bis zu einem Brand im Jahre 1960 als Armenhaus. Das Ökonomiegebäude wurde schon im 17. Jahrhundert als Schafstall benützt. Die zweite Burg war in Oberdettingen im Bereich der heutigen Schlossanlage. Am Bergabhang der rechten Neckarseite sind noch Ruinen einer Burg "Alt-Neuneck" zu erkennen. Die vierte Befestigungsanlage stand oberhalb der Leinstetter Steige auf der Hornhalde. Spuren des Ringgrabens sind noch vorhanden. Dettingen ist um das Jahr 1140 im Reichenbacher Schenkungsbuch erstmals erwähnt. Danach ist dort ein Ritter Petrus (miles de Tettingen) genannt, allerdings erst mit einem späteren Eintrag aus der Mitte des 13. Jahrhunderts [vorher stand ... hardus].6 Von 1268 an taucht in Urkunden immer wieder ein Ritter Petrus von Dettingen auf.7 Der Rufname Peter ist im Dettinger Adel etwa über fünf Generationen (bis 1417) vertreten. Spätere Mitbesitzer am Ort waren die Herren von Wernau, von Ow, von Neuneck und Specht von Bubenheim. 1725 wurde die Abtei Muri Eigentümerin und 1803 der Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen.

Das Amtshaus (Schloss) bei der Kirche baute das Kloster Muri anno 1746.8

Im Jahre 1275 hatte Dettingen bereits eine Pfarrkirche, welche damals zum Dekanat Cresbach (Landkreis Freudenstadt) gehörte.9 Das Patronatsrecht hatten die jeweiligen Ortsherren10. Die Kirche ist dem hl. Petrus geweiht. Das Kirchenpatrozinium könnte mit den o.g. Rittern "Petrus" in Zusammenhang stehen. Im 12./13. Jahrhundert waren nämlich römische Namenspatrone noch recht selten, üblich waren germanische Namen. Peterskirchen erweisen sich oft als alte Kirchen und sind durch den engen Anschluss der fränkischen Kirche an Rom bei uns aufgekommen.11 Es ist daher auch anzunehmen, dass das frühere Gotteshaus an der "Alten Kirchsteige" bereits dem hl. Petrus geweiht war. Eine Wiese der Familie Grätzer bei der ehemaligen Kirchsteige trägt die Bezeichnung "Kirchhofacker". Bei Ausgrabungen durch Schneidermeister Schlotter kamen dort in den Jahren 1923/24 drei Steinsärge mit Abdeckplatten zum Vorschein.12 Das Patrozinium könnte auf das neu errichtete Gotteshaus, höchst wahrscheinlich ein frühgotischer Bau, übertragen worden sein. Diese Kirche stand etwas versetzt zur heutigen, direkt hinter dem Forsthaus an der Schellenberger Steige. Hier war die Flur "Zelg hinter Kirche", heute Zollernstraße und Neuer Überrain. Als auch die zweite Kirche Dettingens samt Turm baufällig geworden ist, wurde das jetzige Gotteshaus unter Abt Gerold II. von Muri im Jahre 1738 errichtet. Auf einer Zeichnung vom Kloster Muri ist das heutige Gotteshaus noch mit dem Vorgängerturm abgebildet.13 Dieser wurde 1764 abgebrochen. Den heutigen Turm ließ Abt Bonaventura 1765 erbauen. Oberhalb des Kirchen-Portals ist das Wappen des Klosters in rotem Sandstein zu sehen. Das Pfarrhaus ging 1742 in Flammen auf. Das danach erstellte Gebäude wurde 1844 abgebrochen und neu gebaut.14

Schon sehr früh bestanden in Dettingen niedere Pfründen (beneficia simplicia). Die Johannes- und Katharina-Kaplanei wird urkundlich erstmals 1404 erwähnt15 und wird später als Frühmesse bezeichnet. Die Kaplanei "B. Mariae V. et S. Ioannis Bapt. et S. Catharinae" ist 1437 genannt.16 1499/1500 wird eine neue Kaplanei auf dem Nikolausaltar erwähnt.17 Im Jahre 1558 ist sie aber bereits der Pfarrei inkorporiert.18 Die Pfründen beruhten auf Stiftungen von Adeligen, um Mitglieder ihrer Familie wirtschaftlich zu versorgen. Der Inhaber einer solchen Pfründe ist nicht mit einem Kaplan in unserer Zeit zu vergleichen.

Im Chor der Kirche stehen zwei spätgotische Holzfiguren, St. Andreas und St. Petrus. Das Hochaltarbild "Petrus erhält die Schlüsselgewalt" malte 1742 Franz Joseph Spiegler.19 Die alte Chor-Altarplatte war ursprünglich ein Epitaph (Grabstein) des Demo von Dettingen aus dem Jahre 1377. Die Umschrift lautet: "ANNO D ... CCCLXXVII ... IN ... MARTIRIS OBIIT DEMO DE TETTINGEN ARMIGER", übersetzt: Im Jahre des Herrn 1377 am [Tage des Heiligen ?] Märtyrers starb Demo von Dettingen, Edelknecht.20

Im Jahre 1971 wurde Dettingen mit 1500 Einwohner Stadtteil von Horb.

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1 vgl.Zingeler, K.Th., a.a.O., S. 61 und Fundberichte aus Schwaben, NF V (1928-30), Anhang: Fundberichte aus

 Hohenzollern, Stuttgart 1930, S. 142

2 Dr. Wein schreibt: "Die Gräber vom Bellenstein bei Böffingen und das mutmaßliche Grab von Dettingen - am Dießener Bach - dürfen als Hinweise auf Siedlungen aufgefasst werden, die jeweils in nächster Umgebung liegen müssen, aber eben noch nicht entdeckt sind." (vgl. Wein, Vor- und Frühgeschichte, a.a.O., S. 95)

3 vgl. Fundberichte aus Schwaben, NF XII (1938-1951), 2. Teil, Stuttgart 1952, S. 93

4 vgl. Fundberichte aus Schwaben, NF XIII (1952-1954), Stuttgart 1955, S. 90f

5 vgl. Hodler, Franz Xaver, a.a.O., S.643. Hodler gibt aber fälschlicherweise an: Erstnennung 1082; Rudolfus

 de Tetingen (1139).

6 vgl. LBSt: Cod. hist. 40, nr. 147, fol. 26a, 27a und 34b: WUB, Bd. II, S. 408f und 415

7 vgl. WUB, Bd. 7, S. 268; Bd. 8, S. 15, 109f, 385, 462; Bd. 11, S.175. Der Eintrag in Bd. 6, S. 412 wird

 offensichtlich vom WUB irrtümlicherweise dem Oberamt Rottenburg zugeordnet. - Vgl. auch Schmid, Ludwig, Monumenta Hohenbergica ,a.a.O., U 52, 69, 70, 97, 169, 213, 275, 889

8 vgl. Hodler, Franz Xaver, a.a.O., S. 643f

9 vgl. EAF: Liber decimationes cleri Constantiensis pro Papa de anno 1275 (Zehntre-gister) Ha 56, fol. 12b

 und FDA, Bd. I, S. 51

10 vgl. Hodler, Franz Xaver, a.a.O., S. 649f

11 vgl. Hoffmann, Gustav, a.a.O., S. 23f

12 lt. Brief von Frau Schlotter an Wilhelm Sikler, Hamburg - Ein Fundbericht des Denkmalschutzamtes liegt nicht vor.

13 vgl. StAS: Rubrik 27, Nr. 79,5 und KlAS: Zeichnung von Pater und Ökonom Leogario Mayer.

14 vgl. Hodler, Franz Xaver, a.a.O., S. 650f u. Kunsthostorischer Wanderführer, a.a.O., S. 406

15 vgl. Hodler, Franz Xaver, a.a.O., S.648

16 vgl. ebd. u. Krebs, Manfred, Die Investiturprotokolle, a.a.O., S. 158 (Dettingen 1437);

vgl. auch FDA, Bd. 26, S. 41 u. Bd. 35, S. 38 (Subsidienregister)

17 vgl. Hodler, Franz Xaver, a.a.O., S. 648

18 vgl. ebd.

19vgl. ebd., S. 650 und Kunsthistorischer Wanderführer, a.a.O., S. 406

20 vgl. Steinhart, Herbert, a.a.O., S. 51

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