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(ca. 3 km)

Vom Römerweg1 aus wandern wir nach dem Verlassen des Waldes in Richtung Aussichtspunkt zur Dorfmitte Dürrenmettstetten (1 km). Bemerkenswert ist der Kirchenbau, der zur ökumenischen Nutzung errichtet wurde. Die Kopie eines Grenzsteines an der Ostseite des Gotteshauses zeugt von der einstigen Teilung des Dorfes in einen evangelischen und katholischen Ortsteil. Von der Kirche führt der Weg in Richtung Leinstetten. 300 m nach Ortsende wenden wir uns links in Richtung Wanderparkplatz. Nach 500 m folgen wir nach rechts der D2-Bezeichnung zum "Hartgalgen" Dürrenmettstetten. Am Wald angekommen, nehmen wir den rechten D2-Weg zum Galgenbuckel Kaltenhof.

Dürrenmettstetten, 658 m ü.NN, liegt nahe der Römerstraße am Gewann "stettlin". Auf der Markung befanden sich einst zwei hallstatt- und latènezeitliche Siedlungen, eine im Nießler-Tal2 und eine im Engerstall. Im letzteren Gewann wurden auch römische, bzw. keltoromanische Funde entdeckt.3 Die Grabhügel auf dem Hundsrücken, Markung Dürrenmettstetten, sind bereits erwähnt. Die befestigten Römerwege spielten bei der Germanisierung unseres Landes eine wichtige Rolle, und somit erlangte das "Turremettstetten"4 auch Bedeutung. Merowingische Reihengräber lagen bei der Wegkreuzung Leinstetten - Oberiflingen und am Südausgang des Dorfes.5 Kaiserlicher Besitz kam im Jahre 1005 mit der Mutterpfarrei Oberiflingen an das Kloster Stein a. Rh. Der Ort wurde somit über den Ungerichtshof Oberiflingen dem Kloster zehntpflichtig.6 1278 erwarb das Kloster Alpirsbach Besitzanteile des Grafen Hermann von Sulz. Gleichzeitig kaufte es das Dorf Hopfau mit dem Recht, den Pfarrer daselbst zu bestellen.7 Unklar ist, ob mit früheren Bezeichnungen Mettstetten Dürrenmettstetten gemeint ist. Eine Zeit lang hatten auch die Herren von Lichtenfels einen enormen Besitz hier, bis sie ihn 1438 an das Kloster Alpirsbach verkauften.8 Zuvor war die andere Hälfte des Dorfes bereits Eigentum der Neunecker. Außerdem hatte die Pfarrei Lombach umfangreiche Lehenhöfe in Dürrenmettstetten.9 Bodenfunde in der Dorfmitte lassen auf eine einstige Burganlage schließen.

Der Bau eines ersten Gotteshauses muss auf Grund des Patroziniums St. Bernhard und Ursula10 mit ihren 11 000 Jungfrauen schon sehr früh erfolgt sein. In der Kaufurkunde vom 11. November 1450 aus dem Schlossarchiv Leinstetten ist erwähnt: "Kapelle unser lieben Frauen der 11 000 Mägde zu Dürrenmettstetten"11. Gemeint sind hier wiederum die Begleiterinnen von St. Ursula, Patronin der Kapelle zu Dürrenmettstetten. Die Legende von diesen Jungfrauen ist stark von Mythen umwoben. Die hier genannte hohe Anzahl 11 000 beruht jedenfalls auf Missverständnissen. Die englische Königstochter Ursula soll wohl mit 11 Gefährtinnen unter den Hunnen, eher aber unter dem römischen Kaiser Diokletian, im Jahre 304 den Märtyrertod erlitten haben. Ihre Verehrung fand im 12. Jahrhundert große Verbreitung12. Ein Gotteshaus hat zu dieser Zeit sicherlich schon bestanden. Auf dem "Käpelessteig" stand eine Kapelle.13 Der erste urkundliche Nachweis für eine Kaplanei stammt aus dem Jahre 1508.14 Die Herren von Neuneck zu Glatt, Besitzer des Unterdorfes, und das Kloster Alpirsbachs sorgten gemeinsam für den Unterhalt von Gotteshaus und Kaplanei. Verwaltet wurde diese kirchliche Institution durch zwei Pfleger, selbstverständlich einer im Oberdorf und einer im Unterdorf. Gegen eine Eingliederung der Kaplanei in die Pfarrei Oberiflingen wehrten sich die Dürrenmettstetter heftig und mit Erfolg bis ins Jahr 1559, als die Kaplanei wegen Baufälligkeit des Kaplaneihauses aufgehoben wurde.15 Inzwischen ist aber das Oberdorf mit dem Kloster Alpirsbach spätestens im Jahre 1553 evangelisch geworden16; denn es galt der Grundsatz: "Wessen das Land, dessen die Religion". Betreut wurde es zunächst von Hopfau aus, dann von Oberiflingen. Doch dort saß ein alter katholischer Geistlicher, er (beziehungsweise sein Kaplan) soll im katholischen Dießen die Messe gelesen, in Iflingen und Mettstetten aber evangelisch gepredigt haben.17 Man ließ ihn im Amt und wartete pietätvoll auf sein Sterben. Schließlich wurde Dürrenmettstetten endgültig um das Jahr 1570 von Hopfau aus betreut.18 Die Katholiken vom Unterdorf sollten aber die Kirche in Glatt besuchen - und dies auch im Winter auf den ungebahnten Wegen. Hanns Heinrich von Neuneck zu Glatt ist als sehr toleranter Landesherr bekannt und so duldete er, dass seine katholischen Untertanen den Gottesdienst in Dürrenmettstetten besuchten.19 Er tat dies sicherlich nicht aus Bequemlichkeit; denn andererseits setzte er sich in einem einige Jahre dauernden Streit mit dem Herzog von Württemberg für die religiösen Rechte seiner katholischen Rodter Untertanen [heute Gemeinde Loßburg] ein.20

Als der Fürstabt des Schweizer Benediktiner-Klosters Muri im Jahre 1706 Herr von Glatt wurde, versuchten die Mönche die Fakten rückgängig zu machen. Große Aktenbündel mit der Aufschrift "Streit zwischen Württemberg und Muri" zeugen davon. So forderte das Kloster Muri im Jahre 1723 von Pfarrer Zeller in Hopfau, dass er als Pfarrer von Dürrenmettstetten nicht nur - wie bisher - den württembergischen Herzog ins dortige Kirchengebet aufnehme, sondern auch den Mitregenten Fürstabt Gerold als Herrn des Unterdorfes. Pfarrer Zeller erhielt auf seine Anfrage beim Kirchenrat in Stuttgart den Bescheid, dass eine solche Neuerung nicht angebracht sei.21 Zum Kirchenbau gab der "Pater Statthalter" erst 300 Gulden, nachdem seiner Beschwerde beim evangelischen Kirchenrat betreffs Mitspracherecht zum Neubau stattgegeben wurde. Die herzogliche Kanzlei stiftete allerdings 900 Gulden.22 Der Bau der heutigen Kirche, 1746 fertig gestellt, zeugt daher von der damaligen kirchlichen und politischen Lage. Sie steht ja genau mitten auf der Grenze. Die Grenzstein-Kopie zeugt noch heute davon, die drei Hirschhörner zeigen ins Oberdorf, das Neunecker Wappen mit Querbalken und Stern ins Unterdorf.

Besonderheiten der Kirche in Dürrenmettstetten:

Der Chor befindet sich nicht, wie sonst üblich, an der östlichen Giebelseite. 

An beiden Giebelseiten sind Eingänge, getrennt für Unter- und Oberdorf, hie Württemberg, hie Muri. Die Kinder und Jugendlichen haben bis zur Konfirmation ihren Platz in der Mitte des Gotteshauses.

Die Kanzel steht auf Alpirsbacher Seite. Württemberg stand das Recht zu, den Pfarrherrn zu benennen (überkommenes Recht mit dem Kauf des Oberdorfes). Somit war der Prediger der Kirche evangelisch. Altar und Taufstein stehen in der Mitte. Hier wurden Evangelische und Katholiken getauft und getraut. Nur wenige gaben dem Druck der Mönche nach und ließen ihre Kinder in Glatt taufen.

Streng wurde darauf geachtet, dass die Zahl der Bürger in den beiden Teilen immer gleich blieb. So fehlte es nicht an Kuriositäten. Manches Pärlein musste daher oft lange warten, bis es heiraten konnte.23 War allerdings vor der Vermählung erst Taufe, brachte dies die ganze Rechnung durcheinander. Die Toten wurden bis 1784 weiterhin in Oberiflingen beerdigt.24

Die Schule stand ebenfalls mitten auf der Grenze. Der Schulsaal lag auf Muri-Seite. Und so beanspruchte das Kloster Muri das Recht zur Ernennung des Lehrers. Die Württemberger aber argumentierten, die Lehrerwohnung liegt auf unserer Seite, folglich ernennen wir den Lehrer. So verließ allmorgentlich der Lehrer mit Betreten des Schulsaales das Hoheitsgebiet Württemberg, dem er unterstand.25

Das Dorf war zwar mit drei Marksteinen geteilt, nicht aber die Markung. Es gab nur eine Markung. Zwei Grenzsteine sind noch vorhanden, einer im Hauseingang von Schmied Huß (westlich der Kirche) und einer mitten an der Ostseite der Kirche. Der dritte Grenzstein stand bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen Kirche und Schmiede26. Die Erträge und Ausgaben von der Gemarkung wurden stets von den beiden Gemeindepflegern bis zum Jahre 1756 sorgsam auf der Tafel mit Kreide halbiert. Das obere Dorf hatte einen Schultheißen, das untere einen Vogt. Jeder Ortsteil hatte zwei Richter und vier Beisitzer, aber auch einen eigenen Heiligenpfleger, Gemeindepfleger, Dorfschützen, Fronmeister und dgl. Oft fehlte es für die vielen Ämter an geeigneten Männern. Was im Oberdorf in den Häusern gefrevelt wurde, ahndete das herzogliche Klosteramt Alpirsbach, was in den vier Wänden des unteren Teils Strafbares begangen wurde, bestrafte der jeweilige Herr des Unterdorfes. Was aber im ganzen Dorf in den Gassen und auf der Markung gefrevelt wurde, untersuchten beide Herrschaften gemeinsam und teilten sich das Strafgeld. So blieb es bis zur Wiedervereinigung Dürrenmettstettens im Jahre 1803 unter Napoleon.27 Groß war damals die Freude, als mit der Aufhebung des Klosters Muri Dürrenmettstetten nun auch politisch vereint wurde. Allzu lästig waren die Frondienste, welche die Bürger des Unterdorfes der Herrschaft zu Glatt leisten mussten. Noch nach 100 Jahren berichteten ältere Bürger, wie ihre Eltern und Großeltern in der größten Schaffenszeit nach Glatt mussten, um der Herrschaft umsonst zu dienen, während auf den eigenen Äckern oft die Frucht zugrunde gegangen sei.28

Was die Bürger aber schon vor der Vereinigung zusammenhielt, war: Die Kirche mit ihren Kirchenpflegen und die Schule.

Zum 1. Januar 1975 wurde Dürrenmettstetten mit 823 ha Fläche der Stadt Sulz a.N. eingegliedert.29

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1 vgl. Fundberichte aus Schwaben, NF I (1917-1922), Stuttgart 1922, S. 72

2 vgl. Fundberichte aus Schwaben, NF III (1924-1926), Stuttgart 1926, S. 49 und 59

vgl. Fundbericht aus Baden-Württemberg, Bd. 2, Stuttgart 1975, S. 115, Fund 1959);

900 Jahre Hopfau, a.a.O., S. 8;

vgl. Landesdenkmalamt B.-W., Außenstelle Freiburg, Nr. 7617 [Sulz]

3 vgl. Fundberichte NF III, Stuttgart 1926, S. 59; NF II, Stuttgart 1924, S. 16f

vgl. Landesdenkmalamt B.-W.,Außenstelle Freiburg, Nr. 7617 [Sulz].

vgl. Wein, Gerhard, Vor- und Frühgeschichte, a.a.O., S. 94 (betr. Keltoromanen)

4 In der amtlichen Beschreibung "Das Land Baden-Württemberg", a.a.O., Bd. VI, S. 513 wird Dürrenmettstetten

 von einem Personennamen abgeleitet. Bedeutende Sprachwissenschaftler geben Deutungen zu solchen Namen. Nach Dr. Ernst Wasserzieher und Dr. Adolf Bach war "Mett" bzw. "Metze" (=Macht) ein häufiger Männername (sprach-verwandt mit Mechthilde). Vgl. Wasserzieher, Ernst, a.a.O., 81f und Bach, Adolf, a.a.O., Bd. I,2, S. 206. - turren bedeutet mhd. wagemutig.

5 vgl. Fundberichte aus Schwaben, NF II, S. 44 und NF III, S. 146, Stuttgart 1924/1926

6 Die Urkunde in der MG von 1005 DD Heinrich II. Nr. 511 ist eine Fälschung aus dem 12. Jahrhundert, lt.

 Jänichen ist sie aber betreffs der Besitzlisten mit dem Original wohl übereinstimmend (vgl. Jänichen Hans,

 a.a.O., S. 76f, S.78 und S. 80f).

7 vgl. WUB, Bd. 8, S. 147

8 vgl. HStAS: A 470, U 277

9 vgl. HStAS: H 102/3, Bd. 1 (anno 1561/1567: Lombach, Die Pfarrei), fol. 484b-536a

10 vgl. Pfarrbeschreibung, a.a.O., S. 11;

11 vgl. SchLA: U 21

12 vgl. Wimmer, Otto und Hartmann Melzer, a.a.O., S. 813-815

13 vgl. OAB Sulz, S. 180

14 vgl. FDA, Neue Folge, Bd. 8, S. 39 (siehe Anmerkung: späterer Zusatz)

15 vgl. Bossert, Gustav, Die Reformation im heutigen Dekanatsbereich Sulz, a.a.O., S. 243

16 vgl. ebd. S. 242

17 vgl. Bossert, Gustav, Aus der Reformationsgeschichte des Dekanatsbezirk Freudenstadt, a.a.O., S. 143

18 vgl. Pfarrbeschreibung, a.a.O.., S. 7

19 vgl. ebd.

20 vgl. HStAS: A 470, Bü 22, Nr. 6-24

21 vgl. Pfarrbeschreibung, a.a.O., S. 8

22 vgl. ebd. S. 9

23 vgl. Das Jubiläum von Dürrenmettstetten [1903), a.a.O., S. 43

24 vgl. Pfarrbeschreibung, a.a.O., S. 10

25 vgl. Das Jubiläum von Dürrenmettstetten [1903], a.a.O., S. 43

26 vgl. Pfarrbeschreibung, a.a.O., S. 6

27 vgl. Das Jubiläum von Dürrenmettstetten [1903], a.a.O., S. 44

28 vgl. ebd.

29 vgl. Vosseler, Peter, Sulz am Neckar heute, a.a.O., S. 3

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