Zwischen Hochbarock und tiefen Grotten

44 Mitarbeitende aus dem Dekanat erkundeten die Wimsener Höhle und das Münster in Zwiefalten

Und sie sind doch wahre Engel, die Haupt- und Ehrenamtlichen des Katholischen Dekanats Freudenstadt: Beim Dekanatsausflug am Dienstag, 14. Juli 2026, nach Zwiefalten goss es zwar während der Hinfahrt in Strömen, kaum konnte ein Blick auf das dortige Münster erhascht werden, begann jedoch ein wunderbarer Hochsommertag. Ganz im Sinne des Sprichwortes „Wenn Engel reisen, scheint die Sonne“. 

Zur recht frühen Morgenstunde wurden die 44 Mitreisenden von Dekan Anton Bock und Busfahrer Ronny Kempeneers quer durchs Dekanat eingesammelt. Auf der Fahrt in Richtung Schwäbische Alb konnten die Kolleginnen und Kollegen aus der Horber Region um die beiden Reiseleiterinnen Dekanatsreferentin Elisabeth Wütz und Franziska Maier ein bisschen länger schlafen. Und mit dem Lied „Lobet den Herren“ stimmte sich die Reisegruppe bereits im Bus feierlich auf einen Ausflug in die barocke Kirchengeschichte ein.

Im Chorraum des Münsters stand nach der Ankunft ein Gottesdienst mit dem Dekan und den beiden Eutinger Kollegen, Pfarrer Bernhard Tschullik und Pfarrer i.R. Andreas Gog, auf dem Tagesplan, den der Zwiefalter Kirchenmusiker Hubertus Ilg an der Orgel begleitete. Danach gab es für einige aus der Reisegruppe ein freudiges Wiedersehen: Die Führung durch das Münster „Unserer Lieben Frau“ übernahm mit Pfarrer Sigmund F. J. Schänzle der amtierende Münsterpfarrer, der in den achtziger Jahren Diakon in Horb war. Kurzweilig, spannend und äußerst lehrreich führte er seine Gäste durch die Jahrhunderte von der Klosterstiftung 1089 durch die Grafen Kuno von Wülflingen und Liutold von Achalm, die laut Schänzle damit „etwas für ihr Seelenheil tun wollten“, bis in die Bauzeit des heutigen Münsters von 1739 bis 1785. So gab es viel Wissenswertes über das imposante Chorgestühl aus Nußbaumholz von Johann Joseph Christian oder das faszinierende Altarblatt von Franz Joseph Spiegler. Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass der Münsterbau kein Fundament hat, sondern auf Pfählen steht.

Fast wie ein waschechter Kirchenkrimi mutete der Einblick in die Reliquiensammlung an – vor allem die Geschichte über die Hand des heiligen Stephanus, die als Segenshand früher bei der Krönung von Kaisern zum Einsatz kam. Ihr Ringfinger wurde einst Marie-Antoinette geschenkt, die ihn dann aber doch wieder der Abtei Zwiefalten zurückgab. Eine besondere Anekdote stammte dagegen aus neuerer Zeit: „Unser berühmtester Ministrant hat es zum Ministerpräsidenten gebracht“, grinste Sigmund Schänzle. Denn das frühere baden-württembergische Landesoberhaupt Winfried Kretschmann war nicht nur Messdiener in Zwiefalten, sondern hat dort auch seine Erstkommunion empfangen.

Nach einer Stärkung beim Münsterwirt und einer Wanderung durch die wunderschöne Landschaft am Fuße der Schwäbischen Alb brachte eine kleine Bootsfahrt durch die Wimsener Höhle eine willkommene Abkühlung. Denn in der kleinen mystischen „Friedrichshöhle“ – benannt nach dem Kurfürsten Friedrich von Württemberg – herrschen das ganze Jahr über Kühlschranktemperaturen um die acht Grad Celsius. So erwies sich die Fahrt durch die tiefste erforschte Unterwasserhöhle Deutschlands als ein würdiger Abschluss für einen gelungenen und sehr entspannten Dekanatsausflug. 

15.07.2026 | Text & Fotos: Volker Schmid